Zum Gedenken an Ruedi Schmidt
Rudolf Schmidt ist am Samstag, 09. August 2003 im Alter von 59 Jahren in Flims verstorben. Er war Präsident des Hoteliervereins Graubünden, den er während seiner 12jährigen Amtszeit mit viel Engagement geprägt hat. Rudolf Schmidt hinterlässt eine grosse Lücke.
Rudolf Schmidt ist am 10. März 1944 in Flims geboren, wo er zusammen mit seinem Bruder Daniel Schmid aufwuchs. Nach Absolvierung des Gymnasiums an der Kantonsschule in Chur trat er in die Hotelfachschule Lausanne ein, die er im Jahr 1966 mit Erfolg abschloss. Als junger Hotelier übernahm er im Alter von 24 Jahren in dritter Generation den Familienbetrieb Hotel Schweizerhof in Flims Waldhaus, den er mit sehr grossem Erfolg während 35 Jahren zusammen mit seiner Gattin Therese führte und zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Bündner Hotellerie machte. Das Romantik Hotel Schweizerhof feiert in diesem Jahr das 100jährige Jubiläum.
Im Jahr 1991 wurde Rudolf Schmidt zum Präsidenten des Hoteliervereins Graubünden gewählt. Er hat den Berufsverband während seiner 12jährigen Amtszeit mit grosser Umsicht und Können geführt. Mit seinem uneigennützigen Engagement hat er die Organisation zu einem bedeutsamen Träger der Bündner Wirtschaftspolitik gemacht. Mit Kompetenz, Feingefühl und viel Charme gelang es ihm immer wieder, seine Anliegen durchzusetzen. Sein Wort hatte sehr grosses Gewicht beim Schweizer Hotelier-Verein, aber auch bei den Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden, denen der Hotelierverein nebst dem Gewerbeverband und der Handelskammer angehört. Seinen Grundsätzen ist der stets optimistische Rudolf Schmidt in den langen Jahren seines Wirkens immer treu geblieben – insbesondere jenem, dass ein Gastgeber niemals klagt und immer strahlt, auch wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht.
Mit Rudolf Schmidt verlieren wir eine faszinierende und überall beliebte Persönlichkeit. Am 16. Januar 2003 haben ihn die Delegierten des Hotelvereins Graubünden in Scuol zum vierten Mal für weitere drei Jahre einstimmig in seinem Amt bestätigt. Leider war es ihm nicht gegönnt, diese - wie er sagte - letzte Amtsperiode zu Ende zu führen.
Chur, 10. August 2003
Hotelierverein Graubünden
>> Der schwere Abschied von einem Freund (Artikel HTR)
Lebenslauf von Rudolf Schmidt, verfasst von seinem Bruder Daniel Schmid und verlesen an der Beerdigung vom 13. August 2003
Geformt und geprägt wurde Rudolf Schmidt durch eine alte Bündner Hotelierfamilie, die zu den Gründern von Flims als Kurort gehörten. Er wurde, wie sein Bruder Daniel Schmid, im Zimmer 106 am 10. März 1944, im Schweizerhof geboren. Der Vater Arthur, der das Caumaseelied komponiert hatte, war früh gestorben und beide wuchsen in einem Matriarchat auf, das von zwei starken Frauenpersönlichkeiten, die das Hotel jahrzehntelang führten, gezeichnet war – der Mutter Carla, einer vitalen Engadinerin, und der Grossmama Mengia aus Sagogn, die bis zum letzten Tag ihres Lebens mit 90 noch im Hotel arbeitete.
Die Hotelhalle wurde auch Rudolfs Bühne und wenn man ein Leben lang darauf zu tun hat, weiss man, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Nach einer behüteten Kindheit und einer Erziehung zur Unabhängigkeit und zu selbständigem Denken, was er später auch seinen drei Kindern Ladina, Gian-Reto und Christoph weitergab, besuchte er die Kantonsschule in Chur und die Hotelfachschule in Lausanne. Dann übernahm er vor 36 Jahren zusammen mit seiner „Traumfrau“ Therese, wie er sie nannte, den „Schweizerhof“ – und eben diese Bühne, auf der er aufgewachsen war.
Er hatte ein gutes Auge und erkannte Menschen sehr schnell in all ihrer Eigenart. Da er neugierig, liebenswürdig, souverän und humorvoll war, konnte er auch glänzend mit ihnen umgehen. Er hörte das Gras wachsen und wusste von Dingen und Geschehnissen oft lange, bevor sie eintrafen. Sein Network war wohl einmalig und ist unersetzlich für alle, die ihm nahe standen.
Neben seiner Familie war er ein Leben lang umgeben von einem Freundeskreis, der teils bis in die Kindheit zurück reichte. Diese Freundschaften pflegte und schätzte er und sie waren ihm immer sehr wichtig.
Als noch junger Mensch wurde er mit einer schweren Krankheit konfrontiert, mit der er viele Jahre ohne zu klagen lebte. Jammern war nicht seine Sache. 1987 bekam er durch eine Nierentransplantation ein „zweites Leben“, wie er es nannte, geschenkt – und dieses lebte er voll und ganz.
Für Sport hat er sich immer interessiert und in diesem zweiten Leben wurde das Golfspielen neben der Hotelbühne zu seiner neuen Leidenschaft.
Am 7. Juni, vor 2 Monaten, hielt er eine Rede zum 100jährigen Jubiläumsfest vom Schweizerhof. Er stand auf der Treppe zur Halle, schon gezeichnet vom Abschied, und seine Worte waren humorvoll, unterhaltsam, spielerisch, optimistisch und treffend wie immer bei seinen Auftritten. An diesem Tag hielt er wohl die eindrücklichste Rede seines Lebens. Sie wird allen, die dabei waren, unvergesslich bleiben.
Und es ist wohl so, dass ein gelungenes, gelebtes Leben auch einen gelungenen Abschluss hat.
Zu Hause, umgeben von seinen Nächsten, konnte er ruhig in die Runde schauen und wissen, dass sein Vermächtnis in gute Hände übergeht.
Er war ein Gentleman und hatte Stil. Solchen Menschen begegnen wir nicht oft. Am Abend seines Todes teilte Therese Schmidt zuerst den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dann den Gästen in der vollen Hotelhalle mit, dass Ruedi gestorben ist. Es war unmittelbar vor der, noch von ihm organisierten Lesung mit Martin Suter. Die Form und die grandiose Art, wie sie es machte, hatten ganz den Stil von Don Rodolfo. Die Kerze mag sich verändert haben, aber die Flamme ist dieselbe geblieben.
Flims-Waldhaus, 11. August 2003
Daniel Schmid
Der Hotelierverein Graubünden (HVGR) vertritt als Dachorganisation die Interessen von über 400 Hotelbetrieben mit insgesamt über 16'000 Hotelzimmern im ganzen Kanton Graubünden. Der HVGR wurde im Jahr 1918 gegründet. Der Vorstand besteht aus 16 Mitgliedern, die sich aus dem Präsidenten der insgesamt 14 kantonalen Sektionen, dem Kantonalpräsidenten sowie dem Bündner Vertreter in der Verbandsleitung des Schweizer Hotelier-Vereins zusammensetzen. Ein Ausschuss, bestehend aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Geschäftsführer, ist jeweils für die laufenden Geschäfte besorgt.
Aus- und Weiterbildung, Stellungnahmen zu politischen Vorlagen und Abstimmungen sowie die Pflege der Beziehung zu Partnerorganisationen wie dem Schweizer Hotelier-Verein, den Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden, dem Wirtschaftsforum Graubünden, GastroGraubünden, der Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden und Graubünden Ferien gehören zu den zentralen Aufgaben des Vereins. Daneben betreibt der HVGR eine Geschäftsstelle in Chur, die unter anderem auch für die Rechtsberatung der Mitglieder zuständig ist.
